Montag, 15. Februar 2010
Der natürlich-unnatürliche Tod
Der von mir gemachte Unterschied sollte vor allem denaltersbedingten Tod auf der anderen Seite und den vorzeitigen Tod auf der anderen Seite betreffen...
Wahr ist wohl, dass der Mensch zu einem erheblichen Teil natürlich, also ohne direkte meso- oder makrokosmische Einwirkung von außen, stirbt. Wie hoch dabei der Anteil derer ist, die aus Altersgründen sterben bzw. vorher durch eine Krankheit, lässt sich kaum genau auseinander halten, da im Alter vorwiegend Krankheiten auftreten bzw. Krankheiten erst zum Altern führen. So gesehen könnte man entweder sagen, dass es GAR KEINEN altersbedingten Tod gibt oder dass JEDER krankheitsbedingte Tod auch alterbedingt ist, nämlich durch die abnehmende innere Widerstandskraft des Körpers verursacht.
Ich will aber von etwas anderem sprechen: Wenn Tiere, also wilde, frei laufende, nicht domestizierte Tiere, sterben, dann sterben sie nur zu einem marginalen Teil eines altersbedingten Todes. Noch bevor sie ihr eigener Körper vollständig dahinraffen kann, sind sie schon an einer Seuche, an einer Verletzung oder an Nahrungsmittelknappheit gestorben bzw. wurden von anderen Tieren togebissen bzw. aufgefressen. Was ich damit sagen will:
Der so genannte natürliche Tod ist eine alles verdrehende Erfindung der unnatürlichen, kultivierten Welt - in der Natur selbst kommt er gar nicht vor.
Samstag, 13. Februar 2010
Sprüche (2)
Wer seine Instinkte mehrheitsfähig im Zaum hält, dem wird jeder, der sich treiben lässt, wenn nicht zum Triebtäter, so doch mindestens zum Übertreiber.
So ist es wahr gesprochen: Ich liebe dich, denn du rechtfertigst meine Selbstliebe.
Was ist das liebevollste Wort, das man der Welt sagen kann? - Es gibt eine Freude, die größer ist als alle Vorfreude! Und je stärker du dich jetzt schon vorfreuen kannst, desto schöner wird der reale Moment noch sein.
Freitag, 12. Februar 2010
Wahrheit zum Siege
"Und wenn da einmal die Wahrheit zum Siege kam, so fragt euch mit gutem Mißtrauen: »welch starker Irrtum hat für sie gekämpft?«"
Mit diesen Satz aus dem Zarathustra beschreibt Nietzsche den Zustand, der eintritt, wenn eine richtige Entscheidung aus den falschen Gründen, mit den falschen Absichten getroffen wurde. Beispiele umgekehrter Art sind uns sicherlich eher geläufig, wenn nämlich jemand aus einer guten Absicht heraus handelt, aber am Ende alles in Scherben liegt. Den Kommunisten unterstellen wir zum Beispiel lieber gute Absichten als den Nazis, aber das ist eine andere Geschichte...
Wenn ich nun auf das eigentliche Thema zurückkomme: Es gibt sicherlich gute Gründe, Nichtraucher zu sein, nämlich Gesundheit, Geld, Zeit. Und es gibt natürlich ebenso gute Gründe aufzuhören, nämlich Gesundheit, Geld, Zeit.
Und dann gibt es die Gründe, für die man sich eher schämen dürfte, wenn man sich über sie klar würde: Ein Kumpel von mir hatte nämlich deshalb aufgehört zu rauchen, weil es ihm unpassend und peinlich geworden war, der Mehrheitsgesellschaft immer einen Schritt bzw. 5min hinterher zu sein. Der Gruppendruck, der sonst scheinbar immer nur dafür verantwortlich sein soll, dass man mit dem Rauchen anfängt, sollte nun also der Grund dafür sein, dass jemand aufhört.
Angesichts dieses ubertragbaren Einzelfalls sind die nächsten Kampagnen der Bundesregierung gegen das Rauchen nicht mehr weit: "Mein Freund, der Nichtraucher!", "Raucher-befreite Zone". Oder noch etwas rabiater: "Gemeinsam stark gegen den Raucher-Holocaust!"
Mit diesen Gedanken über die staatlich und medial angezettelte Gedanken-Diktatur im Kopf erscheint selbst mir als militantem Nichtraucher das Rauchen plötzlich weit weniger abartig. Allen Unkenrufen zum Trotz könnte es nun - nahe der Ausrottung - beinahe wieder zu Ehren kommen mit den Begriffen, mit denen uns die inzwischen weitestgehend verbannte Tabakwerbung den blauen Dunst einst schmackhaft machen wollte: Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstgenuss.
Aber nein, dazu wird es zum Glück nicht kommen. Wer sich nämlich durch das Rauchen wirklich befreit fühlt, der muss sich zuvor schon ziemlich mies vorgekommen sein, dem ist wohl im wörtlichen Sinne eh nicht mehr zu helfen. Zum Schluss, wenn einem selbst die Gesundheit, die Zeit und das Geld egal sind, gibt es ja noch den einzig überzeugenden, allerletzten Grund, warum man wirklich nicht rauchen sollte: Die Gründe zu rauchen sind alle abartig schlecht! Das ist die Wahrheit!
Umgekehrt gilt aber auch: Lieber gebe ich auf, sie von der Wahrheit zu überzeugen, als dass mir ein Irrtum zum Sieg verhelfen dürfte.
Donnerstag, 11. Februar 2010
"Die Welt ohne uns"
Ich will nicht auf die oftmals sehr interessanten Beispiele eingehen, die er auch schon aus aktueller Zeit anführt. Es ist mir nicht einmal wichtig zu kritisieren, dass das Buch mit dem typischen Umweltschutz-Pathos abschließt: Wir sind der Erde zu Dank verpflichtet, weil sie uns allen das Leben ermöglicht. Dagegen steht der Mensch, der sich selbst seiner Grundlage beraubt und dem Planeten Gewalt antut. Zusammen mit einer besseren Technik könnte eine drastische Reduktion der Weltbevölkerung allein die Erde vor dem Kollaps bewahren. Die Konsequenz wäre eine geschrumpfte Menschheit, die ihre Kultur mit der Natur versöhnt hätte.
Lassen wir diesen Traum beiseite, er ist doch wieder nur ein Versuch, die Kultur des Menschen zumindest ansatzweise zu rechtfertigen und sich zuletzt ein gutes Gewissen zu machen. Sieht man jedoch mit einem weiteren Auge in die Welt, einem Auge, das versteht, dass es keine Versöhnung zwischen Kultur und Natur geben kann, sondern die Natur in solch einem Szenario entweder außerhalb oder innerhalb von uns unterdrückt würde, erkennt man, dann man nicht nur einzelne die Symptome einer lebensfeindlichen Welt bekämpfen muss. Man kann nicht einfachhin auf ein gewisses zivilisatorisches Niveau zurück, so dass dann schon alles gut wieder gut würde mit der Welt.
Den bemerkenswertesten Hinweis auf genau diesen Punkt findet man nämlich in der Zeittafel des Verfalls, die zumindest in meiner Ausgabe ganz am Anfang und am Ende des Buches auftauchen. Das, was als größte Gefahr für unseren Planeten gilt, die Atomkraft, das Nutzen fossiler Brennstoffe und das unkaputtbare Plastik, wären nämlich nach relativ schneller Zeit wieder verschwunden.
Blei wird nach 35.000Jahren verschwunden sein, nach 100.000Jahren wird CO² (sofern der Mensch überhaupt etwas damit zu tun hat) wieder die Konzentration prähistorischer Zeiten erreicht haben, Plutonium aus Atomwaffen wird nach 250.000Jahren in der Hintergrundstrahlung nicht mehr aufindbar sein, nach mehereren 100.000Jahren werden sich Mikroorganismen entwickelt haben, die Kunststoffe biologisch abbauen können und mögliche Chemikalien werden nach ca. 7Mio Jahren nur noch von Erdreich bedeckt vorkommen.
Was einen aber ein wenig nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass die Bronzeskulpturen aus (vor-)antiken Zeiten auch nach 10Mio Jahren immer noch erkennbar sein werden. Soll das wirklich die Wahrheit sein, dass unsere modernen Fehler eine wesentlich kürzere Halbwertszeit haben als unsere vor tausenden von Jahren gemachten? Müssen wir deshalb vielleicht weniger vor zuküntigen Entwicklungen als vielmehr vor neuen archäologischen Entdeckungen Angst haben, so dass wir uns unüberwindbaren Relikten der Vergangenheit gegenüber sehen?
Fest steht wohl nur eins: Wer ewig in dieser Welt leben will, wer einmal-ewig den einen wiederkehrenden Regenwaldtag als Höhepunkt des Lebens ergreifen will, der muss jede Form der Kultur der Endlichkeit überführen, sie auch praktischerseits vollständig naturalisieren.
Die beinahe unendliche Haltbarkeit der von Menschen produzierten Kulturgüter bedeutet aber auch: Die theologische und philosophische und umweltpolitische Rede von der Endlichkeit des Menschen ist, wenn nicht grundsätzlich schon eine Farce, so doch mindestens eine geheuchelte Naivität. Würde man die Endlichkeit des Menschen ernst nehmen, so folgte daraus in besonderer Weise die Endlichkeit der Endlichkeit.
Nun seht ihr, worauf ich hinaus will: auf eine Welt ohne uns Kulturmenschen und auf eine Welt mit uns Lebewesen.
Wald des Warmen Regens gegen Dionysos und den Gekreuzigten!
Mittwoch, 10. Februar 2010
Zuggespräche
Ich schätze, ein 16jähriges Mädchen gibt folgendes von sich:
"Ich freu mich schon so auf den Freitag, dann fahren wir morgens erst mal schön zu Real und kaufen uns voll viel Alkohol. Und abends treffen wir uns dann und saufen uns richtig einen. Das wird so cool!"
Hätte ich sie ansprechen sollen und fragen sollen, ob noch mehr hinter ihr steckt als dieser eine Satz? Eigentlich bestätigt sich meine Vermutung nur immer wieder:
Je weniger Verstand man hat, desto eher ist man auch bereit, ihn fahren zu lassen.
Körperflüssigkeiten
Es gibt etliche "Körperflüssigkeiten", die aus dem Menschen nach außen treten können:
Blut
Eiter
Speichel
Nasensekret (Schnodder und Popel)
Tränenflüssigkeit
Ohrenschmalz
Schweiß
Sperma
Scheidensekret
Regelblut
Urin
Kot
Verdauungssekrete (Magensaft, Gallensaft etc.)
(Rülps, Furz, Mundgeruch, Gähnen)
Man frage sich nun: Wer hat sich für jedes einzelne Ding nicht schon mindestens ein Mal geschämt? Schämen und entschuldigen wir uns nicht fortwährend für uns selbst? - Wer weiß, vielleicht lernen wir uns einmal für die Dinge lieben, die wirklich wir sind und die wir uns nicht nur angeheftet haben?!
Sauberkeit
Die Treppe zur Überwindung der Moralität:
I. A) Du hast gefurzt! - "Ja, ich soll mich schämen und das tue ich auch."
B) Du hast gefurzt! - "Ja, es ist so lange schlimm, wie wir in einer domestizierten Welt leben."
C) Du hast gefurzt! - "Ja, ich habe gefurzt."
D) ...
II. A) Du riechst nach Schweiß! - "Ja, ich soll mich schämen und das tue ich auch."
B) Du riechst nach Schweiß! - "Ja, es ist so lange schlimm, wie wir noch stinkende Kleidung tragen."
C) Du riechst nach Schweiß! - "Ja, ich rieche nach Schweiß."
D) ...
